Innovatives Behandlungsverfahren gegen Netzhautverkalkung
Altersbedingte Makuladegeneration als häufigste Sehstörung bei Generation 50+

Wien (pte/21.06.2006/16:58) - Die "Altersbedingte Makuladegeneration" (AMD), in der Umgangssprache auch "Netzhautverkalkung" genannt, ist die häufigste Ursache für schweren Sehverlust bei Menschen ab 50 Jahren. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt aufgrund der höheren Lebenserwartung rapide an: Rund 125.000 Österreicher sind heute davon betroffen. Derzeit kommen jährlich rund 3.500 Neuerkrankungen hinzu. Bis 2015 rechnen Experten mit einem Anstieg dieser Zahl auf rund 4.300 Fälle pro Jahr. Ein innovativer Therapieansatz eröffnet nun auch in Österreich neue Wege im bisher unzureichenden Behandlungsspektrum der aggressiven "feuchten" Form der AMD.

Das Grundprinzip der neuen Therapie ist die Hemmung des Wachstumsfaktors, der maßgeblich für die Entstehung der krankhaften Gefäße verantwortlich gemacht wird. "Durch Hemmung dieses vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) kann erstmals die Ursache der AMD angegriffen und nicht nur deren Folgeerscheinungen behandelt werden", führt Erdem Ergun, von der Spezialambulanz für Netzhaut und Laser am Wiener Sanatorium Hera. "Das Medikament wird als Injektion direkt in den Glaskörper des betroffenen Auges verabreicht." Die Anwendung von Pegaptanib http://www.pfizer.co.at erfolgt alle sechs Wochen mit bis zu neun Injektionen pro Jahr. "Die frühzeitige Behandlung kann damit ein Fortschreiten der Krankheit verhindern und dadurch zum Erhalt der Sehkraft beitragen. Erstmals ist mit dieser Therapieform bei einem Großteil der Patienten eine Sehkraftstabilisierung und bei etlichen auch eine deutliche Sehkraftverbesserung erreicht worden", erklärt der Mediziner.

"Neben dem erhöhten Lebensalter gilt die erbliche Vorbelastung als wichtiger Risikofaktor der Erkrankung, die für rund 40 Prozent der Fälle verantwortlich ist. Auch Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und hohe Lichtexposition erhöhen das Risiko", erklärte Susanne Binder, Vorstand der Augenabteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien, im pressetext-Interview. "Wenn die erbliche Vorbelastung evident ist, sollte ein Patient seinen Lebensstil ändern und auf fettreiche Nahrung sowie auf Nikotin verzichten." Nach neuesten Studien weise sich das Rauchen als beeinflussbarer Risikofaktor aus. Der Beginn einer AMD ist häufig von folgenden Anzeichen gekennzeichnet: Gerade Linien oder Buchstaben werden krumm oder verzerrt gesehen, es kommt zu einem zentralen Bildausfall oder fehlenden Buchstaben zudem einer schwächeren Farbintensität sowie reduziertem Kontrastsehen.

Bei den meisten Fällen von AMD handelt es sich allerdings um die trockene Form, berichten die Forscher. "Das ist wahr", attestiert Binder, die allerdings einräumt, dass die nunmehrigen Forschungsergebnisse auch für die Patienten, die an einer trockenen AMD leiden, Vorteile bringen werde. "Zahlreiche der angebotenen Therapien sind auch für diese Form der Erkrankung anwendbar." Je früher mit einer Behandlung begonnen werde, desto besser. "Wir lernen permanent hinzu und können so neue Therapien entwickeln", so die Expertin.

Die durch zunehmende Bevölkerungsalterung steigende Bedeutung dieser Erkrankung, lässt Experten seit langem auf neue Möglichkeiten in der Behandlung hoffen. "Trotz der schweren Folgen dieser Erkrankung ist das Bewusstsein dafür in der Bevölkerung nach wie vor gering. Der durch zunehmende Lebenserwartung unvermeidbare Anstieg der Betroffenen veranlasst Experten weltweit, sich mit der Aufklärung der Patienten und neuen Therapieoptionen auseinanderzusetzen. Ziel ist eine möglichst frühe Diagnose und Behandlung", so Binder, die auch Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft ist, abschließend im pressetext-Interview.

(Pressefotos zur Veranstaltung finden Sie unter http://www.fotodienst.at/browse.mc?album_id=686 zum Download)